Oi! Tudo Bem?

2009 März 24

Bericht zur Lage der Bierqualität in Brasilien

Auf meiner Reise nach Rio de Janeiro hatte ich das Glück die gängigen Biersorten in ihren verschiedenen Dareichungsformen genießen zu dürfen; Es gab z.B. ein fröhliches Wiedersehen mit dem hierzulande fast schon vergessenen Büchsenbier. In Brasilien sehr geläufig und immer eiskalt frisch entnommen aus einem Haufen Eiswürfel oder dem Eisfach des Kühlschrankes. Je nach dem, ob man es dem Straßen- oder Strandverkäufer aus der Styroporbox, dem kleinen Kiosk mit Kühlfach oder der Strandbar mit Eistruhe abkauft. Eisgekühlt ist Pflicht. Das entnommene Getränk beschlägt in jedem Fall außen und verursacht Wasserringe auf der Abstellfläche. Den etwa 35 Grad Celsius und der hohen Luftfeuchtigkeit sei Dank. Schnell sind die 355 ml – Döschen geleert, denn warmes Bier… ist auch dort nicht runter zu bekommen.

Strandbar in Itacoatiara
Carnaval in Itacoatiara

Die Marken klingen gewohnt, wie Bavaria, Bohemia, Antarktika, Sol oder Skol bis ungewöhnlich wie Itaipava, Cintra, Brahma oder Nova Schin. Diese Sorten sind an wirklich jeder Straßenecke erhältlich. Und obwohl fast alle zu AmBev gehören versuchen sie sich in der Werbung zu übertreffen.

Bei der Marke Itaipava waren allerdings auch ungewönliche Stilblüten zu beobachten: Jede einzelne Büchse wird oben mit einem kleinen mit Firmen-CI bedrucktem Staniolblatt abgedeckt, wie bei Omas selbst eingekochter Marmelade, die versucht mit einem kleinen karierten Stofffetzen auf dem bedruckten Deckel des Rollmopsglases die Appetitlichkeit des neuen Inhalts zu unterstreichen.

In den Cervejarias (Kneipen) – meist luftig und offen – sowie in Restaurants und Cafés werden entweder 655 ml Flaschen der oben angegebenen Sorten verkauft oder sog. Chopp (Bier vom Fass). Die Flaschen werden zusammen mit ein paar Gläsern und einem Flaschenkühler serviert, so dass sich jeder selbst einschenken kann. Nach dem Entleeren der Flasche stellt man sie aus dem Kühler und der Kellner bringt unaufgefordert Nachschub.

Die Eckkneipe

Gezapftes Bier – also Chopp – wird sofort im Glas serviert. Besonderheit hierbei: Die Gläser werden im Eisfach gelagert und sind beim Servieren mit Reif überzogen. Die aufmerksamen Kellner fragen nach jedem Glas, ob er ein neues Bier bringen soll. Kurze Gesten reichen, um das zu bestätigen.

So appetitlich ein solches gefrostetes Glas oder eisgekühltes Bier in den Tropen auch ist, so unangenehm sind die Kondenswasserpfützen, die sich am Glasfuß unweigerlich bilden. Die Bierfilzkultur konnte sich in Brasilien meiner Meinung nach nicht durchsetzen, obwohl es tatsächlich ab und zu geläufige Pappbierdeckel gab. Allerdings waren die nicht in der Lage die anfallenden Wassermengen aufzunehmen und so war man gezwungen das feuchte Schicksal auf der Tischplatte zu ertragen und mit Unmengen von Servietten größere Unglücke zu vermeiden. There is always a disadvantage!

Auch hier gibt es besonderes zu entdecken: Den riesen Chopp! Ein 2,5 Liter frisch gezapftes Bier fassendes Gefäß mit kleinem Auslass zum selber zapfen am Tisch. In diesem Gerät steckt ein massiver eisgekühlter Edelstahlzylinder, um die Temperatur des Bieres niedrig zu halten. Bei den vorherrschenden Temperaturen muss man sich jedoch trotzdem sputen – wir waren aber auch nur zu zweit. Desweiteren habe ich die Verwendung der klassischen „Pitcher“ miterleben dürfen. Allerdings wurden diese 2,5 Liter Gefäße immer in einem noch grösseren Gefäß gefüllt mit – wie könnte es anders sein – Eiswasser und Eiswürfeln gebadet auf dem Tisch angerichtet.

Leo und ich

Zusammenfassend ist zu sagen, dass die Biere alle geschmacklich auf einem hohen Niveau rangieren, jedoch für meinen Geschmack keines der gängigen wirklich heraus sticht. Das aber wiederum ist gut, denn überall ist brauchbares Bier zu finden. Die normalen Biere sind eher leicht und süffig, was bei der Witterung aber auch durchaus Sinn macht.

Daniel

Ich hatte aber das Glück zwei ausgewiesene Experten zu treffen, die sich blendend mit brasilianischem Bier auskennen: Einerseits der langjährige Freund meiner Frau, Daniel Pandino, welcher so nett war uns zu dem einen oder anderen Bier einer kleinen ansässigen Brauerei einzuladen und uns von der Qualität der verschiedenen dort gebrauten Produkte sehr zu überzeugen.

bruno

Zum Anderen Bruno, aus dem Süden Brasiliens, ein Tontechniker, der nebenbei eigenes Bier in kleinen Mengen selber braut, internationale Erfahrungen in verschiedenen Ländern beim testen von Biersorten gemacht hat, darüber detaillierte Berichte schreibt und manche in einem amerikanischen Fachmagazin veröffentlicht, von jedem Biertest sogar ein Handyfilm hat, beim jährlichen Bier-Contest in Rio teilnimmt und sofort vom Thema begeistert war, so dass er mir netter Weise die aus seiner Sicht Top 5 Erzeugnisse von brasilianischen Mikrobrauereien nach hause mitgegeben hat.

Brunos finest

Vielen Dank nochmals an all die netten Brasilianer und die Aufmerksamkeit.

Tranquilo

Salve

  1. 2009 März 26
    Harry Permalink

    Sehr schöner Bericht, wobei mir die Betonung etwas zu stark auf Brasilien lag. In diesem Blog sollte doch eigentlich das Bier im Vordergrund stehen?! Könnte mir dennoch vorstellen, demnächst auf Studienreise nach Biersilien zu gehen…

    • 2009 März 27
      NEWROPEANS Permalink

      Ich dachte Biersilien liegt in Fernost. Wir erwarten den Bericht zur Lage der Bierqualen in Shanghai und Singapur von Dir sehnlichst und jede Minute. Wir brauchen diesbezüglich dringend Input! Hat nicht auch ein Ostbier den letzten Biercontest gewonnen?

  2. 2009 Oktober 23
    Bruno Stehling Permalink

    Fantastisch!!! Viele Danke! Sehr komisches Foto!!! Kan nicht mehr warten für eine Biererlebnisse zusammen auf Deutschland! Tschüss!!!!

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